Bevorzugung von privat versicherten Patienten bei neuen Medikamenten?

Nach einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherungen werden privat versicherten Patienten häufiger als Kassenpatienten Medikamente verordnet, die nach der Einstufung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) einen beträchtlichen Zusatznutzen haben.

Autor: Dr. Michael Knochel

Ausgewertet wurden Verordnungsdaten von 17 Privaten Krankenversicherungen (PKV) aus dem Jahr 2013. Dabei wurde die Behandlung von ca. 83 % aller vollversicherten Privatpatienten erfasst.

Während der Marktanteil der PKV 11,3 % beträgt, wurden 16,2 % des Umsatzes mit neuen Arzneimitteln, denen der G-BA einen beträchtlichen Zusatznutzen bescheinigt, mit Privatpatienten erzielt. Bei neuen Medikamenten mit geringem Zusatznutzen lag dieser Wert immerhin noch bei 14,2 %. Keinen Unterschied zwischen den Versichertengruppen gab es bei neuen Arzneimitteln ohne nachgewiesenen Zusatznutzen, diese werden in der Regel über einen Festbetrag abgerechnet.

Therapieentscheidung ausschließlich aus wirtschaftlichen Gründen?

Die Autoren der Studie interpretieren die Ergebnisse dementsprechend auch als Folge wirtschaftlicher Entscheidungen und geben der geringeren Freiheit der Therapiewahl im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung „die Schuld“.

Aber selbst wenn dem so wäre: Kann es einfach so akzeptiert werden, dass gesetzlich versicherten Patienten ein „beträchtlicher Zusatznutzen“ verwehrt wird? Oder fehlt es vielleicht doch an der einen oder anderen Stelle an wichtigen Informationen über innovative Arzneimittel? Ist denn sichergestellt, dass die betroffenen Pharmaunternehmen ihre Kunden, die verordnenden Ärzte, ausreichend über das Potenzial der neuen Medikamente aufgeklärt haben?

Der G-BA steht bekanntlich nicht gerade im Ruf, primär an höheren Umsätzen der Pharmaunternehmen interessiert zu sein, das Prädikat „beträchtlicher Zusatznutzen“ bei neu zugelassenen Arzneimitteln kann daher durchaus als Auszeichnung verstanden werden. Innovative Medikamente sollten grundsätzlich allen Patienten zur Verfügung stehen, die „beträchtlich“ von ihnen profitieren würden.

Quelle: Ärztezeitung vom 9. März 2015

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