Medizinische Fachzeitschriften und Social Media – eine randomisierte Studie

Die medizinische Fachzeitschrift Circulation der renommierten American Heart Association hat den Einfluss von Social Media auf die Abrufe elektronisch publizierter Fachartikel untersucht – mit eher ernüchternden Ergebnissen.

Autor: Dr. Michael Knochel

In dem streng wissenschaftlichen Studiendesign wurden insgesamt 243 online publizierte Fachartikel in zwei Gruppen eingeteilt: 121 Artikel wurden zeitgleich zur Online-Publikation in Sozialen Medien (Facebook und Twitter) gepostet. Weitere 122 Artikel wurden dort nicht erwähnt. In zusätzlichen Subgruppenanalysen wurde nach Artikeltypen (Populationsstudien, klinische Studien, Studien zur Grundlagenforschung), nach der Herkunft des Hauptautors (USA vs. Nicht-USA) und nach dem Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein eines zusätzlichen Editorials unterschieden.

Klares Ergebnis: Weder die Gesamtuntersuchung noch die Untersuchung der Subgruppen konnte einen statistisch signifikanten Einfluss der Social-Media-Nutzung zeigen, d. h. Artikel, die zusätzlich in den Facebook- bzw. Twitter-Kanälen der Zeitschrift gepostet wurden, wurden nicht öfter angeklickt als Artikel, bei denen dies unterlassen wurde.

Was aber bedeuten diese Studienergebnisse nun für uns: Sind Social Media im medizinisch-wissenschaftlichen Bereich komplett nutzlos oder sind sie nur der falsche Kanal, um auf sehr spezifische medizinische Fachartikel aufmerksam zu machen? Oder nutzen die gleichen Personen einfach unterschiedliche Medien für unterschiedliche Zwecke, z. B. die Website der Zeitschrift und PubMed für ihre medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit und Soziale Medien nur für Privates?

Genau diese Fragen lassen sich mit der vorliegenden Studie eher nicht klären. Viel interessanter scheint mir dagegen das grundsätzliche Vorgehen der Autoren, nämlich die sorgfältige wissenschaftliche Herangehensweise an eine Frage, die viele im Healthcare Marketing bewegt: Was nützen uns Aktivitäten in Sozialen Medien? Die Wissenschaftler haben zuerst definiert, was genau untersucht werden soll, dann wurden die Studienobjekte, in diesem Fall wissenschaftliche Fachartikel, zufällig verteilt, so dass eine Studien- und eine Kontrollgruppe verglichen werden konnten. Die Studie war also prospektiv, randomisiert und kontrolliert und wenn das Ergebnis ein anderes gewesen wäre, also eines das z. B. eine positive Wirkung von Facebook und Co. gezeigt hätte, wäre es genauso glaubwürdig gewesen wie das „negative“ Ergebnis in diesem Fall.

Mehr Studien wie diese bitte!

Quelle: Fox CS et al. A Randomized Trial of Social Media From Circulation. Circulation 131 (2015)

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